Herbst in Zly Komorow

oder Elektrofischen im Niederen Lusatien

Herbst. Bald wird es nichts mehr geben, was uns von selbst in den Mund flöge. Bis zum Klimawandel wird es in Mitteleuropa noch regelmäßig kalt. Darum haben wir die Vorratswirtschaft erfunden. Ich verlasse mein gemütliches Heim und begebe mich auf die alljährliche gefahrvolle Reise. Ziel: Überleben!
Im versteppten westpolnischen Offenland sind Feuchtgebiete rar und meist vortrefflich versteckt. Jedoch: die Suche lohnt sich. In abflusslosen Senken gedeihen Klein-lebewesen zum Einlegen. Fast ohne Gegenwehr lassen sie sich zum Mitkommen bewegen.

Einzig: Es reicht nicht lange. So bis Weihnachten. Dann wollen die hungrigen Mäuler was Größeres in die Röhre … . Also, wie war das? Größere Löcher, größere Fische. Weiter. In den wilden Osten.

Die Luft wird trockener. Bald kommen erste Zweifel am Erfolg der immer härter werdenden Suche voller Widrigkeiten auf. Das Wasserdefizit.
Aber kein Problem. Der Spreewald ist ruckzuck leergepumpt, und dann: Wasser marsch! Hoch sind die Halden, tief sind die Löcher. Berg-Vagabunden sind wir ja wir.
Mach´s wie der Aal. Buckeln und zittern. Schon gibt’s Häppchen. Und dann ab in die Räucherei.

Die natürliche Sukzession bewirkt das überraschende Auftreten uner-warteter Lebensformen. Augen auf. Doch Obacht, und nicht zu lang gezaudert. Der Winter kommt!
Hier ist nichts zu holen, oder doch? Mit dem ursprünglich zum Zierfischen entwickelten Plopper lockt man den zu den Panzerfischen (Placodermi) ge-hörenden Wosmitje Nasarov (kraushalsiger Nasenbeißer), auch Tagebau-nase genannt, aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae), in die Nähe des Schnittlochs.
Die Tage- oder Baunasen werden 25 bis 50 cm groß und erreichen ein Gewicht von bis zu 5800 g. Unter den lusatten Bedingungen werden einzelne Exemplare auch 150 cm groß und irrsinnig schwer. Der Körperbau ist raketenförmig bis dringlich, seitlich kaum abgeduckt.
Man fängt ihn nach Sichtkontakt und kurzer Begrüßung einfach mit der Hand. Meist ist er auch froh, endlich aus dem kalten Wasser raus zu sein und freut sich auf eine heiße Wanne. Aba nüschte. Bis Silvester. Prost.

Euer Remo 

» remo(at)entdeckungsreisender.de

 

 

Fotos: Remo

» remo(at)entdeckungsreisender.de

 

Kommentare

Anzeige: 1 - 3 von 3.

Jörg Koebcke aus Freiburg

joerg(at)koebcke.com

 
Thursday, 03-04-08 21:41
Eine schöne Art der Zusammenfassung unseres gut zehnjährigen Bestrebens nach wissenschaftlichem Fortschritt und etwas Geld im Säckel, nebst wohlwollendem Kommentar und Weihung aus höchsten brandenburgisch-politischen Kreisen, alle Achtung.

Höchstes Lob fordern uns auch die völlig aus dem zum Teil irrsinnigen Zusammenhang entrissenden Photographien und Landschafftsgemälde, Respekt !

Weiter so und wir sind entzückt.

Proll Koe

Matthias Platzeck aus Potsdam

m.platzeck(at)spd.de

Website

 
Monday, 27-11-06 15:37
Sehr schön, dass sich die Jugend in der Mark Brandenburg noch auf das Wesentliche - Nahrung & Natur - konzentrieren kann. Herzlich Willkommen Herr Remo auf der Seite des Entdeckungsreisenden und weiter so. Nur Mut. Bald liegt auch wieder Schnee und die Wassertropfen erstarren vor Kälte, dann sollte der nächste Fisch nicht weit sein.
Mit parteilichen Grüßen

Ihr Matthias Platzeck

Pit
  Sunday, 26-11-06 17:50
Bei mir gibts zu Weihnachten trotzdem Karpfen blau.

Dein Kommentar

Vorname
Nachname
E-Mail
Website
Ort
Antwort
Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spamvermeidung Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
 
Nachricht
Wort    CAPTCHA Bild zum Spamschutz